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Curiosity-Driven Education

Curiosity-Driven Education

von Manuel Dolderer (CODE University + Uni Witten/Herdecke)Planung & Konzeption🇩🇪 CODE University of Applied Sciences, Donaustr. 44, BerlinFachhochschule
Entrepreneurship-BildungProjektbasiertes LernenStudierendenbeteiligung

Die CODE University of Applied Sciences ist eine 2017 in Berlin gegründete, staatlich anerkannte Hochschule, die Studierenden ein radikal selbstgesteuertes, projektbasiertes Studium in Software Engineering, Interaction Design und Product Management bietet. Statt klassischer Vorlesungen arbeiten interdisziplinäre Teams an realen Projekten – begleitet von vielen deutschen Startups und Tech-Unternehmer:innen als Mentor:innen und Unterstützer:innen.

Beschreibung

Gründung und Aufbau

2016 gründete Tom Bachem gemeinsam mit dem Bildungsexperten Manuel Dolderer und dem Unternehmer Jonathan Rüth die CODE University of Applied Sciences. 25 deutsche Startup-Gründer:innen stellten das Startkapital bereit. Im Oktober 2017 erhielt CODE die staatliche Akkreditierung und nahm die ersten 88 Studierenden auf.

Das Lernmodell

CODE verfolgt einen Ansatz, der klassische Hochschullehre grundlegend hinterfragt: Curiosity-Driven Education. Die Grundprinzipien:

  • Neugier statt Lehrplan: Studierende wählen Module nach eigenen Interessen und gestalten ihren Lernweg selbst. Professor:innen agieren als Mentor:innen, nicht als Vortragende.
  • Projekte statt Prüfungen: In interdisziplinären Teams arbeiten Studierende an realen Problemstellungen – von eigenen Startup-Ideen bis zu Unternehmensprojekten.
  • Gemeinschaft statt Einzelkampf: Ein Campus mit Coworking-Spaces und eine internationale Community aus über 80 Nationen schaffen ein kollaboratives Umfeld.
  • Unternehmerisches Mindset: Resilienz, Adaptabilität und die Fähigkeit, unter Unsicherheit zu handeln, stehen im Zentrum.

Studiengänge

CODE bietet drei englischsprachige Bachelor-Programme (Software Engineering, Business Management & Entrepreneurship, Digital Design & Innovation) sowie zwei Master-Programme. Flexible Spezialisierungspfade ermöglichen es Studierenden, ihr Profil individuell zu schärfen.

Wirkung und Entwicklung

In weniger als zehn Jahren ist CODE auf über 600 Studierende gewachsen. Alumni haben mehr als 60 Unternehmen gegründet. 2023 wurde der CODE Trust ins Leben gerufen, in dem erfolgreiche Unternehmer:innen wie Stephan Schambach und Florian Heinemann ihr langfristiges Engagement für die Hochschule formalisiert haben.

Was macht CODE transformativ?

CODE zeigt, dass Hochschulbildung radikal anders funktionieren kann: Selbststeuerung statt Frontalunterricht, echte Projekte statt Simulationen, Mentor:innen statt Dozent:innen. Die Studierenden lernen nicht nur Fachwissen, sondern entwickeln die Fähigkeit, komplexe Herausforderungen eigenständig zu bewältigen und aktiv Zukunft zu gestalten – genau das, was transformative Bildung ausmacht.

Wirkung & Ergebnisse

Über 600 Studierende aus mehr als 80 Nationen studieren aktuell an der CODE. Alumni haben mehr als 60 Unternehmen gegründet und zahlreiche Auszeichnungen bei Hackathons und Design-Wettbewerben gewonnen. 2023 wurde der CODE Trust durch erfolgreiche Unternehmer:innen als langfristiges Förderinstrument gegründet. Die Nachfrage übersteigt die Studienplätze deutlich – ein Zeichen für den Bedarf an alternativen Hochschulmodellen. Studierende berichten von hoher Selbstwirksamkeit und unternehmerischer Handlungsfähigkeit bereits während des Studiums.

Herausforderungen

Als neuartiges Hochschulmodell mussten Akkreditierungsanforderungen erfüllt werden, die für konventionelle Formate konzipiert sind – das erforderte kreative Lösungen und Überzeugungsarbeit. Viele Erstsemester sind durch das Schulsystem an passive Wissensvermittlung gewöhnt; der Übergang zu radikaler Selbststeuerung braucht Zeit und gezielte Begleitung. Projektbasierte Bewertung erfordert neue Formen der Kompetenzfeststellung, die sowohl valide als auch skalierbar sind. Als private Hochschule mit dem Anspruch, nicht am Geldbeutel zu selektieren, ist ein tragfähiges Finanzierungsmodell eine Daueraufgabe. Und die Balance zwischen persönlicher Betreuung und wachsender Studierendenzahl erfordert ständige Anpassung.

Tipps für andere

Klein starten und schnell lernen: Mit einer überschaubaren ersten Kohorte beginnen und das Modell iterativ weiterentwickeln, statt alles am Reißbrett perfektionieren zu wollen.

Unterstützer:innen aus der Praxis einbinden – Unternehmer:innen und Praktiker:innen als Mentor:innen, Geldgeber:innen und Legitimationsquelle bringen Relevanz und Glaubwürdigkeit.

Studierende als Mitgestalter:innen ernst nehmen: Wer Selbststeuerung lehren will, muss echte Gestaltungsmacht über das Lernumfeld geben. Den Dialog mit Akkreditierungsagenturen von Anfang an suchen, statt das innovative Konzept nachträglich in bestehende Raster zu pressen.

Und Mut zur Lücke haben: Ein lebendiges, sich entwickelndes Curriculum ist glaubwürdiger als ein starres.

Links & Ressourcen