Lehrlabor³ - teambasierte Lehrentwicklung
Lehrlabor³ ist ein teambasiertes Lehrentwicklungsprogramm mit einer Laufzeit von neun Monaten, welches vom Forschungs- und Innovationslabor Digitale Lehre (FIDL) entwickelt (Pilotphase 2023/2024) und seit 2026 vom Bayerischen Zentrum für Innovative Lehre (BayZiel) durchgeführt wird.
Beschreibung
Lehrlabor ³ ist ein Programm, das einen Rahmen für die gemeinsame Weiter- und Neuentwicklung von Lehrkonzepten bietet. Es wird als wirkungsvoller Hebel zur Gestaltung der Hochschulbildung verstanden. Das „Hoch drei“ symbolisiert die Kollaboration zwischen Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden. Mithilfe dieser Zusammensetzung können Fächer- und Hochschulgrenzen durchbrochen werden, wodurch ein co-kreatives, rollenübergreifendes Arbeiten entsteht. Die Lehre wird spielerisch als „kaputtes Spiel“ betrachtet, um Anreize zu setzen, Motivationslücken zu erkennen und neue Ideen zu generieren. Das neunmonatige Programm basiert auf interdisziplinärer Zusammenarbeit, Kreativität und einem forschenden Ansatz zum Lehren und Lernen. In jedem Programmdurchgang entwickeln sechs Teams von verschiedenen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) ihre Lehrkonzepte weiter. Das Ergebnis ist eine kreative Ideenschmiede für die Lehre, die eine Atmosphäre der Wertschätzung und produktiven Kreativität in sich vereint und die Hochschulbildung damit als Gemeinschaftsaufgabe erlebbar macht.
Wirkung & Ergebnisse
Die Vorstellung des kooperativen Lehrentwicklungsprozesses und die Ergebnisse der einzelnen Lehrentwicklungsprojekte aus den ersten beiden Programmdurchläufen wurden veröffentlicht.
Programmdurchlauf 2023:
- Lehrlabor³ - ein Netzwerk zur teambasierten Lehrentwicklung; https://doi.org/10.34646/thn/ohmdok-925
Programmdurchlauf 2024:
- B. Zinger, A. Wester & T. Bröker (Hg.) 2025. Hochschulbildung und Spiel. Lernen motivierend gestalten. transcript. https://doi.org/10.14361/9783839473740
Herausforderungen
- Herausforderungen, auf die mit dem Programm reagiert werden soll(te):
a.) Mangelnde Rahmung für die Umsetzung von Lehrentwicklungsideen Die Weiterentwicklung der Lehre bedeutet, sich persönlich mit dem Thema Lehre auseinanderzusetzen – sich also auf einen Lernprozess einzulassen. Lernen kann nicht erzwungen, sondern lediglich ermöglicht und angeregt werden (Holzkamp, 1993; Arnold, 2007). Hochschuldidaktische Workshops oder studentische Evaluationen können solche Anregungen bieten. Doch diese laufen ins Leere, wenn es keine Zeit und keinen Raum gibt, um diese Anregungen umzusetzen. Das Problem liegt also weniger in einem Mangel an wirksamen Lehransätzen – vielmehr fehlt es an systematischen Austausch-, Begleit- und Transferstrukturen.
b.) Mangelnde methodische Begleitung und Sprachbasis Lehrentwicklung ist kein singuläres Ereignis, sondern ein vielseitiger Prozess, der von der Identifikation von Lernzielen über die Generierung von Verbesserungsideen bis hin zur Erprobung eines neuen Lehransatzes führt. Ohne eine methodisch fundierte Begleitung, fehlt es jedoch an zielgerichteter Struktur und Reflexion, sodass das Potenzial der Entwicklungsarbeit nicht ausgeschöpft wird. Zudem ist der Lehrinhalt – also das Fachwissen der Lehrperson – nur ein Aspekt im Lehrentwicklungsprozess. Vielmehr geht es um hochschuldidaktische Expertise und um Verständnisprobleme der Studierenden. Idealerweise sollten deshalb unterschiedliche Akteursgruppen – Lehrende, Didaktiker:innen und Studierende – gemeinsam an der Weiterentwicklung der Lehre arbeiten (Tosic & Lilienthal, 2022). Folgt man der Idee von Lehrentwicklung als ein rollen- und disziplinübergreifendes Unterfangen, stößt man zusätzlich auf die Hürde, eine gemeinsame Sprachbasis unter den Teilnehmenden zu schaffen (Bröker et al., 2025).
c.) Mangelnde Sichtbarkeit und Transfer von Lehrentwicklungen Im Vergleich zur Forschung hat die Lehre an Hochschulen einen untergeordneten Stellenwert. Dies liegt unter anderem daran, dass wissenschaftliche Karrieren und Reputation hauptsächlich auf Forschungserfolgen und Publikationen basieren. Diesem Umstand ist nur schwerlich entgegenzuwirken, da es an Formaten mangelt, die einen forschenden Zugang zur eigenen Lehre – im Sinne des Scholarship of Teaching and Learning (Huber, 2018; Vöing et al., 2022; Bohndick et al., 2025) – unterstützen und Ergebnisse der Lehrentwicklungen zum Beispiel in Form von Präsentationen und Publikationen veröffentlicht werden können. Ohne solche Angebote bleibt die Sichtbarkeit von Lehrentwicklungen begrenzt und es findet kein Wissenstransfer statt.
Tipps für andere
Lessons Learned
Es braucht …
- Rahmungen, die über den gesamten Arbeitsprozess hinweg Orientierung und Verbindlichkeiten schaffen.
- Methoden, die eine hierarchiearme Zusammenarbeit und die Kreativität aller Beteiligten fördern.
- Aktivitäten, die die Gemeinschaft und die gegenseitige Wertschätzung stärken.
Deshalb kommen wir zu folgenden fünf konkreten Handlungsempfehlungen für eine ko-kreative Lehrentwicklung:
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Begleitung, Begleitung, Begleitung Im Zentrum steht das Gruppengeschehen. Hierzu sollten Organisatorinnen als Facilitators agieren und sensibel auf Gruppenprozesse und -dynamiken eingehen und damit den Weg zu mehr Produktivität und Kollegialität ebnen (vgl. Ortquist-Ahrens & Torosyan, 2009). Über den Einsatz von Moderatorinnen und Impulsgeber*innen sollte zusätzliche Fachexpertise eingebracht werden.
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Persönliche Anliegen und Ziele: Das eigene Lehrprojekt Der unmittelbare Nutzen für die Teilnehmenden ist der wichtigste Antreiber für die kontinuierliche Mitwirkung über den gesamten Zeitraum des Programms. Entsprechend sollte genügend Raum und Zeit für die Arbeit an den eigenen Lehrentwicklungsprojekten der Hochschulteams vorgesehen werden.
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Methodisches Vorgehen: Gemeinsam kreativ werden Mit dem Game-Thinking-Ansatz innerhalb des Programms sollte eine kreative Herangehensweise und zugleich die Einbringung der studentischen Sicht verstärkt werden. Die Projektteams nutzen über diese Methodik eine gemeinsame (Spiel-)Sprache, welche das Lehrprojekt auf eine andere Ebene (als „kaputtes Spiel“) abstrahiert und damit die Kommunikation auf Augenhöhe erleichtert.
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Präsenztermine: Zeit und Raum für den informellen Austausch Bei den Präsenzterminen sollte viel Raum für den informellen Austausch gegeben werden. Die Unterbringung der Teilnehmenden im selben Hotel ist hierfür ebenfalls förderlich. Die Treffen sollten rotierend an den Hochschulstandorten der be-teiligten Teams stattfinden, um Einblicke in den Arbeitsalltag (z.B. Labore) geben zu können.
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Ergebnisorientierung und Wissenstransfer Die aktive Teilnahme sollte durch eine klare Ergebnisorientierung gefördert werden. Eine gemeinsame Publikation und Fachtagung schaffen verbindliche Zeitpunkte für die Aufbereitung von (Zwischen-)Ergebnissen, fördern das Gemeinschaftsgefühl und den Wissenstransfer. Eine moderne Außendarstellung (z.B. Social Media, Webauftritt, Imagefilm) und interne Dokumentation (z.B. digitale Pinnwände) tragen ebenfalls zum Wissenstransfer und zur Wertschätzung der gemeinsamen Arbeit bei.